Neblige Zelte am Morgen, Schwarzweißfoto
Prävention

Institutionelles Schutzkonzept

Jeder Stamm entwickelt sein eigenes Schutzkonzept. Hier steht, was dahintersteckt, wie der Weg dahin aussieht und wie wir euch dabei begleiten.

Keine Sorge

Erstmal durchatmen.

Als Stammesvorstand seid ihr vielleicht erstmal verwirrt, wenn ihr von institutionellen Schutzkonzepten hört. Das ist völlig in Ordnung. Wir haben versucht, alle Infos für euch möglichst gut aufzubereiten.

Bei allen Fragen stehen wir euch zur Seite. Schreibt uns gerne eine Mail oder ruft im Diözesanbüro an. Mit dem Thema lassen wir euch nicht allein.

Menschen sitzen im Kreis um ein Lagerfeuer
Grundlage

Was ist ein Schutzkonzept?

Ein institutionelles Schutzkonzept, kurz ISK, ist ein Konzept zur Prävention vor sexualisierter Gewalt. Sein Ziel ist ein sicherer Lern- und Lebensraum für Kinder und Jugendliche.

Bei der Entwicklung geht es darum, gemeinsam mit allen Leiter*innen über das Thema Kindesschutz ins Gespräch zu kommen. Ihr nehmt mögliche Risikosituationen in den Blick, vereinbart eine gemeinsame Haltung und erarbeitet daraus Verhaltensstandards. All das haltet ihr partizipativ als Handlungsleitfaden für eure gemeinsame Arbeit schriftlich fest.

Eigenes ISK oder mit der Pfarrei?

Ihr müsst nicht bei null anfangen.

Ihr könnt euer Schutzkonzept auch gemeinsam mit eurer Pfarrgemeinde erstellen. Dann bekommt ihr als Pfadfinderstamm ein eigenes Kapitel im ISK der Pfarrgemeinde.

Ob das schneller oder unkomplizierter ist, lässt sich nicht pauschal sagen. Das hängt von vielen Dingen ab, zum Beispiel davon, ob ihr einen guten Draht zur Pfarrgemeinde habt. Wichtig ist: Es ist eure Entscheidung. Die Pfarrgemeinde kann euch dabei keine Vorschriften machen.

Eure Rolle

Was auf euch zukommt.

Als Stammesvorstand seid ihr dafür verantwortlich, dass die Risikoanalyse durchgeführt und das Schutzkonzept erstellt wird. Ihr müsst das aber nicht aus dem Nichts stemmen: Unsere Multiplikator*innen begleiten und unterstützen euch dabei. Niemand lässt euch in diesem Prozess allein.

Unsere Vision

Starke Stämme mit starken Kindern.

Wir sind überzeugt: Ein Schutzkonzept ist ein hilfreiches Instrument für euren Stamm. Denn damit

  • reflektiert ihr regelmäßig eure Strukturen und Verhaltensmuster,
  • schaut ihr euch Schutzfaktoren und mögliche Gefährdungen für Kinder und Jugendliche genau an,
  • bezieht ihr Kinder und Jugendliche aktiv in die Stammesarbeit ein und hört ihnen zu,
  • stärkt ihr eure Präventionsarbeit,
  • sind eure Leiter*innen gut ausgebildet,
  • begreift ihr Präventionsarbeit als wertvollen Lern- und Weiterentwicklungsprozess,
  • entwickelt ihr eure Haltung weiter und stärkt eine Kultur der Achtsamkeit.
Unterstützung

So begleiten wir euch.

Ihr geht diesen Weg nicht allein. Drei Dinge stehen euch dabei zur Seite.

AK Prävention

Der Arbeitskreis koordiniert die Abläufe im DV und bereitet die Infos für euch auf. Er ist eure erste Anlaufstelle bei allen Fragen rund um das Schutzkonzept.

Multiplikator*innen

Ausgebildete Begleiter*innen, die das Thema gut kennen. Sie bearbeiten mit euch die einzelnen Bausteine und beraten euch direkt in eurem Stamm.

ISK-Mantelkonzept

Eine Vorlage mit Impulsfragen und Methoden. Damit arbeitet ihr die Bausteine Schritt für Schritt durch und haltet am Ende ein fertiges Schutzkonzept in den Händen.

Der Weg

Der Fahrplan.

In vier Schritten zum eigenen Schutzkonzept. Bei jedem Schritt sind Multiplikator*innen, Methoden und das Mantelkonzept an eurer Seite.

1. Kontakt und Sensibilisierung

Ein Vorgespräch mit dem Stammesvorstand, bei Bedarf eine Grundlagenschulung für die Leiterrunde. Hier klären wir gemeinsam, worum es geht.

2. Grundlagen

Ihr erstellt eine Risiko- und Schutzfaktorenanalyse für euren Stamm. Wo gibt es mögliche Gefährdungen, was schützt schon gut?

3. Bausteine bearbeiten

Jetzt geht es an die einzelnen Bausteine: Ausbildung und Auswahl der Ehrenamtlichen, Verhaltenskodex, Beratungs- und Beschwerdewege, Interventionsfahrplan sowie Projektabschluss und Qualitätsmanagement.

4. Abgabe und Veröffentlichung

Zum Schluss haltet ihr euer fertiges Schutzkonzept schriftlich fest, veröffentlicht es im Stamm und gebt es beim DV ab.

Verhaltenskodex

Eine Kultur der Achtsamkeit.

Als Pfadfinder*innen sind wir aufmerksam für die Bedürfnisse und Grenzen der anderen und begegnen einander mit Respekt. Auf dieser Haltung baut unser Verhaltenskodex auf.

Er wurde während der Diözesanversammlung 2019 gemeinsam erarbeitet und für alle Gliederungen beschlossen. In den Stämmen und Gremien dient er als Grundlage eigener Regeln und ist individuell erweiterbar. Als Pfadfinder*in verpflichte ich mich zu diesen Punkten:

  • Ich kenne meine Grenzen und bin mir bewusst, dass jede*r individuelle Grenzen hat.
  • Ich wahre die Grenzen aller und schaffe eine Kultur, in der ein „Nein" möglich ist.
  • Ich spreche an, wenn Grenzen verletzt werden.
  • Ich setze mich für eine Atmosphäre ein, in der offen über persönliche Grenzen gesprochen wird.
  • Ich gehe in allen Situationen sensibel mit Körperkontakt um.
  • Ich fördere einen reflektierten Sprachgebrauch. Er ist altersgerecht, wertschätzend, respektvoll, authentisch und gender- und geschlechtssensibel.
  • Ich orientiere meine Sprache an meinem Gegenüber. Dazu gehört ein angemessener Umgang mit Humor, Sarkasmus und Ironie.
  • Ich vermeide und unterbinde diskriminierende, verletzende sowie ausgrenzende Sprache.
  • Ich bin mir meines eigenen Auftretens bewusst und achte auf eine wertschätzende Grundhaltung.
  • Ich begegne allen auf Augenhöhe und vermeide bedrohendes oder einschüchterndes Verhalten.
  • Ich stelle gemeinsam mit Leiter*innen, Kindern und Jugendlichen Regeln auf und halte diese ein.
  • Ich wahre die Grenzen aller und fördere eine Kultur, in der ein „Nein" ausgesprochen und akzeptiert wird.
  • Ich sorge dafür, dass die Intimsphäre jederzeit gewahrt wird, bei Aktivitäten wie in sanitären Anlagen.
  • Ich achte darauf, dass Personen unterschiedlichen Alters und Geschlechts nur mit eigenem Einverständnis und nach Rücksprache mit den Erziehungsberechtigten gemeinsam in einem Zelt oder Raum schlafen.
  • Ich begreife Reflexion als persönlichen Lernprozess.
  • Ich fördere ein konstruktives Miteinander und etabliere eine Reflexionskultur mit klaren Gesprächsregeln.
  • Ich nutze Feedback, um Selbst- und Fremdwahrnehmung abzugleichen. So öffne ich mich für Kritik von Kindern, Jugendlichen sowie Mitleiter*innen.
  • Ich beziehe gegen diskriminierendes, gewalttätiges und sexistisches Verhalten aktiv Stellung.
  • Ich unterstütze eine fehlerfreundliche Haltung.
  • Ich lebe einen bewussten Umgang mit Medien vor und nutze sie altersgerecht und zielgerichtet.
  • Ich pflege einen sensiblen Umgang mit fremden und eigenen Daten wie Text, Bild, Ton und Kontaktdaten.
  • Ich handele auch im Internet nach meiner pfadfinderischen Überzeugung.
  • Ich sensibilisiere für Gefahren wie schnelle Verbreitung, Cybermobbing, Unlöschbarkeit und Missbrauch von Daten.
  • Ich bestärke Kinder und Jugendliche darin, sich eine eigene Meinung zu bilden. Ich nehme sie ernst.
  • Ich ermögliche Mitbestimmung durch geeignete pfadfinderische Methoden, zum Beispiel aufeinander aufbauende Programme, Gesetz und Versprechen sowie das Wechselspiel zwischen Groß- und Kleingruppe.
  • Ich stärke das Selbstbewusstsein von Kindern und Jugendlichen durch die Erfahrung von Selbstwirksamkeit.
Fragen?

Wir sind für euch da.

Ob Erstgespräch, Materialien oder eine konkrete Frage zum Ablauf: Meldet euch beim AK Prävention oder im Diözesanbüro. Wir gehen den Weg gerne mit euch.

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